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Etymologisch wird der Begriff "Heide" von germanisch; haithio: unbebautes, wildgrünendes Land, Waldgegend, abgeleitet."Keines Menschen Augenweide" (K.L.Goedeke 1814-87 Reisen)
Wer heute über "Die Heide" spricht meint die Besenheide, die etwa 10 bis 50 cm hoch wächst. Sie liebt Sonne und sauren sandigen Boden. Nur hier hat sie einen Wuchsvorteil gegenüber Gräsern.
"Erika", das besungene Blümelein ist die Glocken- oder Sumpfheide, die auf feuchtem, torfigem und saurem Boden wächst.

Heidekrautgewächse

1. Besenheide
  • (Calluna vulgaris)
2. Erikazeen
  • Glockenheide (E. tetralix)
  • Schneeheide (E. carnea)
  • Baumheide (E. arborea)
3. Beerensträucher
  • Moosbeere
  • Blau- oder Heidelbeere
  • Preiselbeere
4. Wacholder
  • (Juniperus communis)

 

Die Moore.

Die Neuenkirchener Moore und Heiden sind eine ausgeprägte Gletschereisrandlage. Der Neuenkirchener Endmoräne sind Sander und Moore vorgelagert. In den Tallagen sind die Moore in Jahrtausenden gewachsen. Wegen des starken Raubbaus am Wald vom 14. bis 17. Jahrh. gab es in der Region kaum noch Brennholz. Deshalb wurden frühzeitig im südlichen Bereich Neuenkirchens Stech- und Backtorf gewonnen. Heide und Moore waren Allmende. Jeder weidete, plaggte oder grub wo es ihm passte. Erst mit der Verkoppelung zwischen 1838 bis 1843 wurde das Birkenmoor und das große Moor auf einzelne Besitzer aufgeteilt. Die Verteilung schmaler Flurstücke in Nord-Süd-Richtung erfolgte durch Einigung und Verlosung. Berücksichtigt wurden Qualität, Mächtigkeit der Torflage 1 - 2m, Hofgröße und Feuerungsbedürfnisse (Schmiede).
Nach 1945 bis in die 60iger Jahre wurden wegen allgemeiner Brennstoffknappheit Abtorfungen vorgenommen. Die Entwässerung führte vom Großen Moor durch das Birkenmoor zur Gemeindegrenze. Jeder war für den Unterhalt und die Reinigung des Abzugsgrabens mitverantwortlich. Die Weiderechte unterlagen gemeinsamer Nutzung. Das Wegerecht wurde durch einen Recess geregelt. Jeder behielt Zugang auch zu den weniger günstig gelegenen Parzellen. Das Torfstechen erfolgte im Frühjahr. Der überwiegend faserige Torf wurde in einer Form ausgestrichen, die durch Treten mit den Füßen entwässert wurde. Nach dem Aufreihen der Soden und erster Trocknung wurden die Soden aufgeschichtet (Diemen) und etwas später geringelt (umgeschichtet). Der Abtransport erfolgte vor der Ernte, wenn der Torf trocken war.
Das Birkenmoor ist heute vom Landkreis und das Große Moor von der Bezirksregierung angepachtet und Landschaftsschutzgebiet. Diese Flächen werden dem Verein Schäferhof zur Pflege und zur Beweidung zur Verfügung gestellt.
Heute, wo die Brennstoffversorgung durch Heizöl oder Gas gesichert wird, stellen die Moore einen Luxus dar, den wir uns leisten können, um bedrohten Tierarten Rückzugsmöglichkeiten zu erhalten. So brüten bei uns zeitweise Kranich und Ziegenmelker und Heidelerche. Um Hochmoore zu erhalten müssen sie vernässt sein. Sie wachsen nur sehr langsam – in 100 Jahren ca. 1 cm.

 

Beweidung durch die Heidschnucken.

Um 1860 gab es in der kargen Lüneburger Heide etwa 770 000 Schnucken. Ackerwirtschaft wurde erst im großen Stil mit der Einführung des Kunstdüngers möglich. Damit gingen die Heideflächen zurück. Nach 1949 erfolgten aus wirtschaftlichen Erwägungen umfangreiche Aufforstungen der Heideflächen. Heute können wir uns wieder, da Wald und Ackerflächen zur Verfügung stehen, den Luxus leisten neue Heideflächen zu schaffen. Es gibt wieder 15 000 Schnucken. Die Herdenhalter sind im Verband Lüneburger Heidschnuckenzüchter zusammengeschlossen.
Die Schafdichte und Hüteform beeinflussen die Vegetation. Einige Pflanzen können durch den Verbiss kurzgehalten, andere wiederum durch den Kot verbreitet werden. Stachelige Pflanzen wie Wacholder, Schlehe oder Ginster werden nicht verbissen. Gehölzanflug wird durch Neugier- und Abwechslungsfraß der Schnucken kurz gehalten. Ab 1 m Höhe werden die Bäume oder Sträucher nicht mehr verbissen. Es kommt zur Verbuschung.
Beobachtungen zeigen, dass 3 Schnucken pro Hektar zu viel sind, die Heide blüht nicht mehr. Für norddeutsche Sandheiden wird ein Besatz von einem Schnuckenmutterschaf mit Nachwuchs pro Hektar empfohlen.
Die Heide soll auf einer Länge von etwa 15 cm gehalten werden, um jung und dicht zu bleiben und schön blühen zu können. Wird die Heide länger oder älter verholzt sie. Nach 10 bis 15 Jahren wird sie lückig für Gehölzaufwuchs. Nach ca. 30 Jahren ist sie ohne Pflege verschwunden. So bestimmt die zur Verfügung stehende Fläche auch die Größe einer Herde.
Der Samen bleibt für 80 bis 100 Jahre im Boden. Bei Abholzung oder Waldbrand breitet sich die Heide in kurzer Zeit wieder aus.
Die Trippelwalze der Heidschnucken verhindert Grünlandschädlinge wie Feldmaus, Schnaken oder Maulwurf. Freischarren schafft Keimbedingungen für Heide und Gehölze. Die Triften schaffen Möglichkeiten für die Balz des Birkhuhns und anderer Tiere. Im Herbst zerstören die Schnucken die Spinnweben, so können sich die Bienen darin nicht verfangen.
Wiederholtes kurzfristiges Beweiden beseitigt Gräser und Weidenunkräuter und Aufwuchsmöglichkeit für Gehölze. Überdüngung und Überweidung schaffen Artenarmut. Deshalb müssen Schäfer und Hüteart hohe Sensibilität für die Biotop- und Landschaftspflege besitzen. Die Heide benötigt viel Licht und gedeiht besonders gut auf humusarmen, saurem Mineralboden.
2 cm Rohhumus bedeuten das Ende der Heide. Deshalb müssen die Schnucken abends in den Weidepferch, in den Stall d.h. aus der Heide.

Nur durch gezieltes Hüten läßt sich Biotoppflege betreiben!

 

Die Heidschnucke. 

Die graue gehörnte Heidschnucke ist ein Wildschaf und stammt vom Mufflon Sardiniens und Korsikas ab. Sie ist in beiden Geschlechtern gehörnt, bei den Widdern formt sich das Gehörn zur Schnecke. Die Heidschnucke ist sehr genügsam und frisst das trockene Heidekraut, sowie alles was am Wegrand wächst. Sie versteht es, den dürftigen Pflanzenbewuchs der Heide voll zu nutzen. Die Heidschnucken gehören zu den Gemischtwollrassen. Über dem weichen Unterfell schützt das grobe Grannenfell vor Witterungseinflüssen. Die Wolle ist etwas kratzig. Die Schnucke wiegt etwa 50 kg. Im Frühjahr kommen die Lämmer zur Welt. Im Mai werden die Tiere geschoren. Die Wolle hat heute keinen Wirtschaftswert. Die Lämmer werden das erste Mal Mitte August geschoren. In die Heide zieht die Herde vorwiegend im Spätsommer und Herbst, um während der Heideblüte die Spinnweben, in denen sich die Bienen verfangen, zu zerreißen. Zum Abend hin zieht die Herde aus der Heide in den Pferch oder in den Stall, um eine Überdüngung der Heiden zu vermeiden. Die Heidschnucke als Widerkäuer benötigt Ruhezeiten. Die anspruchslose "Schnucke" ist der norddeutschen kargen Heide und Moorlandschaft gut angepasst. Schnucke kommt von Schnökern, das ist Neugier- und Abwechslungsfraß.
Eine Heidschnucke kann bis zu 12 Jahre alt werden. Der Umtrieb in einer Gebrauchs-herde von 320 bis 350 Tieren liegt bei 5 Jahren. Ein Jungbock deckt etwa 25-30 Tiere, ein Altbock 40-60 Tiere. Die Tragezeit der Muttertiere dauert 150 Tage. Das Lamm, bei der Geburt noch schwarz, wiegt etwa 4,5 kg. Ab der zweiten bis dritten Woche beginnt das Lamm feste Nahrung zu sich zu nehmen und wird damit zum Wiederkäuer. Ein Mutterschaf ergibt bei der Schur etwa 1,2-1,5 kg Wolle. Das Gewicht schlachtreifer Jährlinge beträgt etwa 30-35 kg, das der Muttertiere um die 45 kg. Böcke wiegen etwa 50 kg. Das Fleisch hat einen besonderen feinen wildartigen Geschmack. Es gibt Muttern, Lämmer, Jährlinge, Hammel, Überläufer, Zutreter und Böcke. Merzen sind die Tiere (Muttern), die aus der Herde wegen Nichtträchtigkeit aussortiert werden.